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Dem Verfall preisgegeben: Historische Bausubstanz fällt Investoren zum Opfer


Historische Scheune mit Wildwuchs

Seit geraumer Zeit hatte ich ein Auge auf ein verwildertes Gelände in Brandenburg geworfen. Es lag am Rand eines kleinen Dorfes und wurde von einer markanten Backsteinscheune aus den frühen Jahren des letzten Jahrhunderts dominiert. Daneben befanden sich die Ruinen eines Flachbaus aus den 60er Jahren. Die Atmosphäre an diesem Ort versprühte einen Hauch vergangener Zeiten, doch es war auch klar, dass eine umfangreiche Restaurierung nötig wäre, um das Areal wieder zum Leben zu erwecken.


Endlich sollte vergangene Woche die Versteigerung stattfinden. Wir hatten eine großzügige Spende erhalten und waren zuversichtlich, dass wir die Scheune wieder aufbauen und sie in die Hände eines neuen Eigentümers übergeben könnten, der sich verpflichtet, sie zu erhalten. Wir warteten vor der Versteigerungshalle und spürten eine gewisse Aufregung in der Luft.


Doch als die Versteigerung begann, wurde schnell deutlich, dass das Interesse an diesem Gelände weitaus größer war als erwartet. Trotz des verwahrlosten Zustands, der Trümmer und der eher unattraktiven Lage in einer Gegend mit niedrigen Bodenpreisen von durchschnittlich 7€ pro Quadratmeter, zog das Grundstück einige potenzieller Käufer an. Das Verkehrswertgutachten hatte dem Gelände kaum einen Wert zugesprochen.


Das erste Gebot übertraf unsere finanziellen Möglichkeiten bei Weitem. Es lag etwa sechsmal so hoch wie der Wert des Grundstücks und wurde von einem nicht persönlich anwesenden Investor abgegeben.


Niedergeschlagen verfolgten wir den weiteren Verlauf der Versteigerung. Einige Paare blieben eine Weile dabei, scheinbar bereit, tief in die Tasche zu greifen, um ihren Familientraum an diesem gemütlichen Ort zu verwirklichen. Doch letztendlich wurden auch sie alle vom anonymen Bieter überboten.


Nachdem unsere Hoffnungen im Keim erstickt wurden, mussten wir mit ansehen, wie das Grundstück mit der alten Scheune für das 35-fache des gutachterlichen Wertes den Besitzer wechselte.


Die historische Bausubstanz fällt den Investoren zum Opfer. Die Scheune, die einst so viel über vergangene Zeiten zu erzählen hatte, wird vermutlich einer umfassenden Neugestaltung zum Opfer fallen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als im nächsten Jahr noch einmal vorbeizuschauen und mit schwerem Herzen zu sehen, wie sich das Grundstück entwickelt.


Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Immer wieder sehen wir, wie historische Gebäude und Gelände der Profitgier von Investoren zum Opfer fallen. Die Wertschätzung für die Geschichte und das kulturelle Erbe schwindet, wenn rein finanzielle Interessen überwiegen. Es ist eine traurige Entwicklung, die nicht nur den Verlust von historischer Bausubstanz mit sich bringt, sondern auch die Verarmung unserer Kulturlandschaft.


Es ist an der Zeit, dass wir uns bewusst werden, wie wertvoll unsere historischen Stätten und Bauwerke sind. Sie sind nicht nur Relikte vergangener Zeiten, sondern auch Quellen des Wissens und des Verständnisses für unsere eigene Geschichte. Wir müssen ihre Bedeutung wahren und uns gegen die Bedrohung durch Profit getriebene Investoren zur Wehr setzen. Nur so können wir sicherstellen, dass kommende Generationen die Möglichkeit haben, in die Vergangenheit einzutauchen und aus ihr zu lernen. Es liegt in unserer Verantwortung, diese Erinnerungen zu bewahren und vor dem unaufhaltsamen Verfall zu schützen.



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